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Wire sculptures and pappmache paintings

Balanced

Was passiert wenn ein Stück Zeitungspapier nass wird? Es verliert seine Festigkeit, die Druckerschwärze verschwimmt und die Inhalte werden unlesbar. Das Papier zerreißt, wird zu einem unansehnlichen grauschattierten Klumpen. 
Gibt man allerdings Kleister hinzu, wird dieser Klumpen modellierbar und kann wie ein Phönix aus der Asche zu einem völlig neuen Werk auferstehen.

Abd A. Masoud ist fasziniert von der Elastizität des Materials, den differenzierten Grauabstufungen, die je nach verwendeter Papiersorte entstehen. Auch der durchaus sinnliche Aspekt beim Modellieren der geschmeidigen Masse steht im Fokus des Schaffensprozesses.

Als Vorläufer des Bakelits hatte Pappmaché im 19. Jahrhundert eine ähnlich bedeutende Rolle wie Kunststoff heute. Speziell die Täuschung der Sinne – eine Illusion nach Art der Trompe-l'œil – dieses sehr leichten Materials, das in der Optik allerdings mächtigem Granit oder Beton nahekommt, fasziniert den Künstler sehr. Den Täuschungseffekt verstärkt er zusätzlich durch den Einsatz von dünnem Eisendraht, der die schwer wie ein Stein wirkenden Objekte scheinbar schweben lässt.

Wie das Wurzelwerk eines Baumes oder Pilzhyphen verankern, umschlingen, halten, durchdringen diese zarten Konstrukte das vermeintliche Massiv der Objekte. Wie Luftwurzeln tropischer Gewächse schweben die federleichten Drähte praktisch ins Irgendwo und vermitteln in ihrer Lichtdurchlässigkeit eine unglaubliche Leichtigkeit. Zuweilen spinnt sich auch ein dichtes rostiges Netz in ungewöhnlichen Verflechtungen um die abstrakten Skulpturen. Zum Erreichen der schlussendlich gewünschten Wirkung experimentiert Abd A. Masoud mit Verknotungen, Biegungen und Wickelungen. So entstehen neue Formen und Muster, die seinen Arbeiten ihren einzigartigen Charakter verleihen.

Das Leben – ein Dominospiel

Abd A. Masoud interpretiert mit seiner neuen Serie „Domino“ das Leben eines Menschen im Besonderen, das Leben der Menschen im Allgemeinen.

Ist das Leben zufällig wie beliebig geworfene Dominosteine oder ist das Leben die Konsequenz gewählter Steine, bewusster Entscheidungen. 

In mancher Hinsicht erscheinen die dreidimensionalen Objekte fragil, zart, leicht zerstörbar andrerseits stark, fest, belastbar wie Draht – wie auch ein Menschenleben beide Seiten hat - einmal durch einen Windhauch geknickt, dann einen Orkan überlebend. 

Das Leben ein Spiel – symbolisiert durch die Dominosteine. Entscheidungen werden getroffen, Entscheidungen. beeinflussen den weiteren Lebensweg, Entscheidungen verursachen Kettenreaktionen wie fallende Dominosteine. Das persönliche Schicksal eine Abfolge von zufällig gewählten Dominosteinen.

Die präsentierten, ungewöhnlich verflochtenen, teilweise reliefartigen Objekte vermitteln Leichtigkeit durch ihre Lichtdurchlässigkeit, erscheinen wie schwebende Illustrationen. 

Die zum Teil frei endenden Drähte erinnern an Tentakel die Nahrung suchen, die den notwendigen Sucus liefern um zu überleben. Es können aber auch Wurzeln sein, die tief im Boden, in der Vergangenheit verankert sind. Oder sind es Luftwurzeln die Ausschau nach neuen Chancen halten? Alle Aspekte vermitteln die Vielschichtigkeit der Kommunikation des Menschen mit seiner Umgebung.

Abd A. Masoud’s Drahtarbeiten ergeben immer wieder, durch verknoten, biegen, wickeln neue Formen und Muster. Die dargestellten, ineinander geordneten Strukturen wachsen langsam durch Verarbeitung etlicher Meter Stahldraht zu einem Ganzen zusammen. Es entstehen Gebilde von bemerkenswerter Schwerelosigkeit.

Diese Schwerelosigkeit der Dominosteine, die Zufälligkeiten des Lebens, die Macht des Schicksals – Das Leben ein Dominospiel.